Digitaler Impfausweis via Blockchain

Durch die Covid-19-Pandemie rücken der klassische Impfausweis und die Blockchain ins Rampenlicht. Die Notwendigkeit eines digitalen Impfnachweises wird durch die Vorteile einer neuen Technologie bereichert und sorgt für Vertrauen und Sicherheit.

Die Blockchain-Technologie wird zum Beispiel nicht nur verwendet, um Supply-Chains abzusichern oder die Sauberkeit von Oberflächen an Flughäfen fälschungssicher zu überprüfen. Sie wird auch das technologische Fundament für den kommenden elektronischen Impfausweis. Die bekannten Vorteile einer Blockchain wie Dezentralisierung und Manipulations- und Ausfallsicherheit sind perfekte Voraussetzungen, um darauf sensible Daten rund um den elektronischen Impfausweis (eImpfausweis) zu speichern. Die Covid-19-Pandemie beschleunigt die Digitalisierung und ebnet den Weg hin zu einem elektronischen, datenschutzkonformen und nutzerorientierten elektronischen Impfpass.

Der klassische Impfausweis

Wogegen bin ich mit welchem Mittel geimpft? Wie lange hält der Impfschutz? Wer hat mich wann geimpft? Diese Fragen werden alle im Impfausweis, auch Impfpass genannt, beantwortet. Mithilfe einer akkuraten Dokumentation der Impfungen, welche ein Mensch über sein Leben erhält, kann die Person selbst und der behandelnde Arzt jederzeit feststellen, welche Impfung noch notwendig ist.

Aktuell ist das Standarddokument der gelbe Impfpass nach den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Außerdem befinden sich weiße Impfdokumente, vor allem bei älteren Generationen, im Umlauf. Auf dem Impfausweis vermerkt sind Name, Geburtsdatum und -ort sowie der Wohnort. Und natürlich die Einträge zu den Standardimpfungen wie Tetanus, Diphtherie und MMR (Masern/Mumps/Röteln-Kombination), Schutzimpfungen gegen Virusgrippen wie Influenza und weiteren Indikations- und Reiseimpfungen, beispielsweise gegen Tollwut oder Hepatitis A. Eine 2021 erschienene Neuauflage ermöglicht außerdem die gesonderte Dokumentation von Impfungen gegen das Covid-19-Virus.

Gelber, analoger Impfpass mit Einträgen zum COVID-19-Impfstoff
Klassischer Impfpass mit eingetragenen Covid-Schutzimpfungen. (Bild: Wikimedia-Commons / Superinoskop)

Ab 2022: Der elektronische Impfausweis

Am 1. Januar 2021 ist das Patientendaten-Schutzgesetz in Kraft getreten, wodurch digitale Angebote wie die elektronische Patientenakte nutzbar werden. Ab 2022 soll dort auch der Impfpass gespeichert werden. Einzelne Krankenkassen haben bereits mit Modellversuchen in ihren Apps gestartet. Ab 2022 soll er dann bundesweit eingeführt werden: Der eImpfpass, ein elektronischer Impfpass, welcher Teil der elektronischen Patientenakte wird und inhaltlich 1:1 dem gelben Impfausweis der WHO gleicht. Die Nutzung wird freiwillig sein, bietet jedoch mit automatischen Erinnerungen und einem Ampelsystem, welches den Impfstatus anzeigt, mehrere komfortable Vorteile für den Patienten.

Das technische Grundgerüst für den eImpfpass wird derzeit von einem Konsortium entwickelt, angeführt vom Kölner IoT- und Blockchain-Experten Ubirch und dem Technologie-Riesen IBM. Die Blockchain-Technologie spielt dabei eine ganz entscheidende Rolle. Sie löst die Herausforderung, den Impfpass von überall abrufbar zu machen, während gleichzeitig die Daten nach geltenden Datenschutzbestimmungen abgespeichert werden können und ein maximaler Schutz vor Angriffen garantiert wird.

Smartphone mit offener Impfnachweis-App, welche den Impfstatus per QR-Code nachweist.
Digitaler Impfnachweis per App auf dem Smartphone.

Projekte: Impfausweis mit der Blockchain

Will man den eImpfpass auf Grundlage einer Blockchain in Aktion sehen, muss nicht bis 2021 gewartet werden. Ein Blick ins bayerische Altötting reicht aus, um das Potenzial und die Vorteile einer solchen Lösung zu erkennen. Dort wird ein elektronischer, computerlesbarer Impfausweis mit digitalem Schlüssel hinterlegt und als Hash auf einer Blockchain bereits seit Anfang des Jahres ausgestellt. Auch hier wird die Plattform von Ubirch verwendet, während die Blockchain vom Konsortium GovDigital stammt. Geimpfte nehmen das Kärtchen, hinter welchem sich eine Blockchain befindet, dankend entgegen: Von den über 11.000 geimpften Menschen haben sich rund 90 Prozent davon einen elektronischen Impfausweis ausstellen lassen und können somit ihren Impfstatus zweifelsfrei verifizieren. Laut einem Interview der Wirtschaftswoche ist selbst Landrat Erwin Schneider, welcher sich laut eigener Aussage nicht unbedingt mit Technik auskennt, zum Blockchain-Fan geworden. In den nächsten Jahren sind weitere Projekte, bei denen die Technologie zum Einsatz kommen soll, in der Region geplant, so Schneider weiter.

Blicken wir ins Ausland, sehen wir einige Lösungen, bei welchen elektronische Impfausweise mithilfe der Blockchain bereits in Betrieb sind. In Malaysia und Singapur wird der Immunisierungsstatus bis hin zur Rückverfolgbarkeit des genauen Impfstoff-Fläschchens manipulationssicher in der Blockchain gespeichert. Korea wird in wenigen Wochen eine einfache, sichere und nutzerfreundliche Impf-App launchen, die auf einer Blockchain basiert und den internationalen W3C-Standards entsprechen wird.

Funktioniert es auch ohne eine Blockchain?

Kurzum: Ja. Auch ohne eine Blockchain kann ein digitaler Impfausweis umgesetzt werden, auf kurze Sicht vermutlich sogar kostengünstiger. Für einen Impfausweis reicht in erster Linie ein Eintrag in einer Datenbank, welcher Auskunft darüber gibt, ob die Person geimpft ist, oder eben nicht. Die dafür notwendige Datenbank wäre ein zentrales Register und damit ein einfaches Ziel von Angriffen und Hackern. Die Blockchain als dezentrales Register bietet neben diesem Schutz vor externen Angriffen aber noch weitere Vorteile. Sobald der elektronische Impfausweis bzw. die erfolgte Schutzimpfung als relevantes Dokument in der Gesellschaft fungiert, beispielsweise wenn eine Flugreise angetreten wird oder Alltagsaktivitäten nur mit Impfung stattfinden können, kommt der Faktor „Vertrauen“ ins Spiel. Vertraut man den ausstellenden Impfstellen oder Behörden, so ist dieses Vertrauen nachvollziehbar und abgesichert bei gleichzeitiger Ausfallsicherheit und schnellen, skalierbaren Transaktionen. Wir stimmen der Aussage unserer estnischen Kollegen von Guardtime zu, welche aktuell einen internationalen digitalen Impfpass entwickeln: „Grundsätzlich ist eine Lösung mit der Blockchain sicherer“.

Vertrauen und Blockchain haben wir bei TrustCerts kombiniert und unsere TrustChain entwickelt. Diese ist auf die besonderen Bedürfnisse von selbstbestimmten Identitäten ausgelegt. Sie haben weitere Anregungen oder Fragen zu dem hier beschriebenen Anwendungsfall für die Blockchain? Schreiben Sie uns! Wir freuen uns auf den Diskurs.

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Interview mit Mirko Mollik

Mirko Mollik ist IT-Spezialist, Master of Science mit dem Schwerpunkt Internet-Sicherheit und hat TrustCerts im April 2019 gegründet. Zum zweijährigen Jubiläum haben wir ihm ein paar Fragen rund um das Thema TrustCerts, Gründung und Start-ups gestellt.

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