Use-Case-of-the-Month: Zeugnisse

Die Anwendungsfelder der Blockchain-Technologie sind zahlreich. Bitcoin und Co sind nur die bekanntesten Beispiele für eine zukunftsweisende Technologie, welche der Digitalisierung eine zusätzliche Sicherheitsebene gibt.

Mit der Reihe „Use-Case-of-the-Month“ möchten wir die Möglichkeiten einer Technik aufzeigen, die durch Kryptowährungen bekannt wurde: Blockchain. In den 90er Jahren erstmals Beschrieben ist die Blockchain heute vereinfacht gesagt eine Methode, um sehr sichere Datenbanken zu erstellen. Bei einer Blockchain sind einzelne Einträge nicht manipulierbar, da sie in der Logik einer Blockchain aufeinander aufbauen, kryptografisch verknüpft werden und von vielen Rechnern in einem Peer-to-Peer-Netzwerk regelmäßig überprüft werden. Dies ist ein wesentlicher Unterschied zu einer gewöhnlichen Datenbank, wo Einträge noch nachträglich verändert werden können. Bedeutet: Um den Eintrag X in einer Blockchain zu verändern, müssten alle Einträge, die nach Eintrag X erschienen sind, ebenso verändert werden. Theoretisch ist das für Hacker und Betrüger möglich, praktisch jedoch unmöglich. Durch die Blockchain-Technologie werden sichere Transaktionen im Netz ermöglicht, welche nicht mehr zu manipulieren sind.

Die Spannbreite der Anwendungsfelder ist enorm. Bitcoin und Co sind nur die bekanntesten Beispiele für eine zukunftsweisende Technologie, welche der Digitalisierung eine zusätzliche Sicherheitsebene gibt.

Zeugnisse digital und analog fälschungssicher machen

In Deutschland ist schätzungsweise jedes zehnte Hochschulzeugnis gefälscht. Potenzielle Betrüger haben es leicht, ihre Hochschulnoten zu frisieren: Zahlreiche Anleitungen und Tutorials im Internet erklären den Fälschungsprozess Schritt für Schritt und die Software ist längst nicht mehr professionellen Anwendern vorbehalten. Fakt ist: Die Fälschung von sensiblen Dokumenten wie Zeugnissen ist kein Bagatelldelikt – anscheinend aber gängiger, als es der ehrliche Normalbürger glaubt. In Zeiten der digitalen Transformation verfügen darüber hinaus viele Unternehmen über eine Online-Bewerbungsmöglichkeit. Wird keine beglaubigte Zeugniskopie eingefordert, was vielen Unternehmen oft zu umständlich ist, sind die Tore für Betrug offen.

Falsche Ärzte, Erzieher als Rechtsanwalt und gefälschte Doktortitel im Personalausweis sind nur einige Beispiele dafür, wie Zeugnisfälschung enden kann. Die Auswirkungen können wirtschaftlich wie rechtlich verheerend sein – und auch die negative Presse wird sich auf das Unternehmen auswirken und im Zweifel Kunden oder Aktionäre vergraulen. Aus moralischer Sicht verliert der Ehrliche: Betrügende Bewerber haben real eine schlechtere Qualifikation, welche sie mit frisierten Noten vertuschen. Das interne wie externe Vertrauen nimmt, einmal mit einem solchen Fall konfrontiert, immensen Schaden.

Eine Lösung wäre, Bewerbungen ausschließlich mit beglaubigten Zeugnissen zuzulassen. Hier ist eine Fälschung nicht zweifelsfrei ausgeschlossen, das Sicherheitslevel jedoch höher als bei einem einfachen Zeugnis. Leider ist das Verfahren sehr umständlich und erfordert einen hohen Personal- und Papieraufwand. Sicherer wäre eine datenbankbasierte Lösung. Name, Notenschnitt und Datum werden in einer Datenbank gespeichert. Über diese lässt sich verifizieren, ob das vorliegende Zeugnis mit dem Eintrag übereinstimmt. Großes Problem hierbei: Datenbanken sind häufig Zielscheibe von Hackern und datenschutzrechtlich sind öffentliche Datenbanken sehr umstritten.

Die Blockchain als „sichere Datenbank“ setzt genau an dieser Stelle an: Sie sichert die dort abgelegten Daten gegen Manipulation ab. Für jedes Zeugnis wird ein digitaler Fingerabdruck erstellt, welcher in einer Blockchain abgespeichert wird. Da nur codierte Werte gesichert werden, wodurch eine Zuordnung unmöglich wird, ist diese Methode darüber hinaus auch mit allen Anforderungen des Datenschutzrechtes zu vereinbaren. Einmal per Schnittstelle in den eigenen Systemen eingebunden läuft die Absicherung der Zeugnisse automatisiert ab und Bedarf keines zusätzlichen Aufwandes.

Im deutschsprachigen Raum nutzen bereits einige Hochschulen eine Blockchain basierte Lösung, um ihren Zeugnissen eine zusätzliche Sicherheitsebene zu geben – darunter die FOM Hochschule für Ökonomie und Management, die TU München oder die Uni Salzburg. Wir von TrustCerts arbeiten seit 2020 erfolgreich mit der FOM Hochschule zusammen und konnten so bereits dabei helfen, über 10.000 Zeugnisse abzusichern.

Ausblick

Für viele Unternehmen ist die Blockchain noch etwas sehr Abstraktes und wird häufig allein im Kontext der Kryptowährungen genannt. Die Möglichkeit, mithilfe der Blockchain sinnvolle Projekte im Rahmen der digitalen Transformation voranzutreiben wird erst langsam erkannt. Zeugnisse können ein erster Schritt sein, um die Öffentlichkeit für das Thema Blockchain in anderen Anwendungsfeldern zu sensibilisieren. Wünschenswert wäre dahingehend ein flächendeckendes Netz aus Hochschulen, welche ihre Zeugnisse mithilfe der Blockchain-Technologie gegen Betrug sichern. Die Vorteile für einstellende Unternehmen, sich bewerbende Absolventen und die Hochschulen selbst sind immens. Die Digitalisierung in Deutschland könnte einen großen Schritt nach vorne machen.

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